Reisebericht Portugal 2002   Kontakt / Impressum
Südspanien - Las Negras, Tarifa, Alpujarras
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In Vergeich zu Portugal ist Spanien - besonders im Südosten - etwas karg, strahlt dafür aber, wie hier in der Region Almeria, ein unverwechselbares Wildwest-Feeling aus.
Las Negras liegt zwischen Cabo de Gata und Mojacar. Aufgrund des dunken Gesteins ist das Meerwasser ein bisschen wärmer als anderswo.
Der Campingplatz, 500m südlich von Las Negras, ist etwas ganz Besonderes. Er liegt in einer Art Mini-Canyon, und die Zufahrtsstraße endet hier. So still wie hier ist es sonst nur auf Berggipfeln. Lediglich der etwas unterbelichtete Hund eines Dauercampers nervte, weil er ununterbrochen sein eigenes Echo anbellte, bis er endlich heiser wurde.
Nach über drei Wochen kam nun endlich das Zooom-Heckzelt zum Einsatz. Bei gutem Wetter braucht man es eigentlich nicht. Schön, wenn man es trotzdem immer dabei hat, dann kann auch ein unangenehm kräftiger Wind nicht das heißersehnte Miraculi-Dinner gefährden. Kaum war ich fertig mit Essen, schon war der Wind weg. Und kaum packte ich die Gitarre aus, schon gesellten sich ein paar spanische Kurz-Urlauber aus Alicante zu mir. Ohne das Zooom-Heckzelt hätte ich statt zu kochen längst eine Kneipe aufgesucht und den wohl lustigsten Abend verpasst.
Abendstimmung zwischen Las Negras (im Hintergrund) und Campingplatz
Ditto
Die Gegend um Las Negras ist eines der letzten Hippie-Exile. Die Strände des Ortes sind recht steinig, allerdings nur auf den ersten Blick. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich sehr viele Steine als Hundescheisse. Wer nicht unter den Fußsohlen braun werden möchte, badet besser ein paar Kilometer nördlich in San Pedro.
Ganz hinten rechts, am Ende der Bucht, liegt San Pedro, der Hippie-Ort, der nur zu Fuß oder per Boot zu erreichen ist.
Die Kirche fügt sich bescheiden und harmonisch in die Struktur der Häuser von Las Negras ein.
Las Negras ist mit seinen gut 5 Bars und Restaurants überschaubar, jeder kennt jeden. Hier kann man in Ruhe sein Spanisch trainieren, ohne daß einem gleich auf deutsch geantwortet wird.
Hektik wäre hier fehl am Platze. Nach einem ausgiebigen Power-Frühstück auf dem Campingplatz wird hier morgens um halb zwölf erst mal ein "café solo" geschlürft, bevor die Wanderung nach San Pedro beginnt.
Durchgangsverkehr gibt es nicht in Las Negras, auch die Nebenstraßen enden hier irgendwo. Deswegen stört sich auch niemand an Agaven, die auf der Straße wachsen.
Nur wenige hundert Meter nördlich von Las Negras ist die Piste bereits unbefahrbar, zuviele Felsbrocken versperren die Piste.
Umso schöner ist es, die vier Kilometer durch die Wüste nach San Pedro zu Fuß zurückzulegen. Kein Auto wirbelt Staub auf. Man empfindet so etwas wie Dankbarkeit gegenüber den Leuten, die hier einst die Steine plazierten.
Wasser sollte man auf jeden Fall mitnehmen, falls möglich auch Wanderschuhe. Und man sollte einigermaßen schwindelfrei sein.
Unterwegs nichts als Wüste. Übrigens wurden in dieser Region sehr viele berühmte Western gedreht, aber auch Teile von Klassikeren wie z.B. Laurence von Arabien.
Nach knapp einer Stunde wird man belohnt mit einem herrlichen Ausblick auf San Pedro.
Das Dorf wurde vor vielen hundert Jahren erbaut, heute gibt es nur noch Ruinen und Höhlen, die von ca. 15 Aussteigern bewohnt werden, wie mir ein Spanier später auf dem Campingplatz erzählte. Manche leben hier bereits seit sieben Jahren.
Der schöne Sandstrand rechtfertigt auf jeden Fall den langen Fußmarsch. Badesachen braucht man übrigens nicht mitschleppen, so etwas benutzt hier sowieso niemand.
In dieser alten Festung wohnt der "Platzhirsch", in der Zivilisation auch "Bürgermeister" genannt, der vor allem durch seine bessere Ausstattung im Gegensatz zum gewöhnlichen Hippie auffiel. Sogar ein Solar-Panel stellte er nachmittags in die Sonne, um seine High Tech Geräte zu versorgen.
Aber Hierarchien haben ja manchmal auch Vorteile, wie hier: Auf einem überdimensionalen Flyer wird dem Neuankömmling gleich in zwei Sprachen erklärt, wie man seine Notdurft verrichtet.
Auch um Mitnahme des eigenen Mülls wird in verschiedenen Sprachen gebeten, erfolgreich übrigens. Die Gegend wirkt jedenfalls sehr sauber.

An einer Süsswasserquelle kann man Trinkwasser nachfüllen.
Wer keine Höhle oder Ruine mehr abbekam, lebt in selbstgebauten Behausungen. Sogar kleine Gärten wurden hier mit viel Liebe zum Detail angelegt. Ich habe natürlich nicht geprüft, was da genau angepflanzt wurde, aber an fehlendem Licht wird hier sicher keine Pflanze eingehen.

Man grüßt sich hier zwar sehr freundlich, die Konversation ist aber recht eintönig und beschränkt sich meist auf die Frage "do you have a cigarette?". Wer als Fremder das Vertrauen der Leute gewinnen will, sollte zumindest ein cooles Rastaman-Toupet aufsetzen.
Weiterfahrt nach Tarifa, hier zwischen Algeciras und Tarifa. Im Hintergrund Marokko.
Auch hier wirkt Marokko zum Greifen nah. Eine solch gute Sicht herrscht in der Straße von Gibraltar nur alle paar Jahre einmal.

Der Blick in die andere Richtung: Weit über 1000 Windmühlen, soweit das Auge reicht. So sieht verantwortungsbewußte Energiegewinnung aus.
Dieser Hund (für einen Boxer ist er ein bisschen zu niedrig) flehte mich förmlich an, ihn zu fotografieren. Erst danach lief er wieder zu seinem Herrchen.
Abendstimmung in Boloña, 10 km nordwestlich von Tarifa. Nachts stellte ich mich dann aber auf einen der großen Strandparkplätze, westlich von Tarifa, dem Eldorado aller Windsurfer.
Der Hafen von Tarifa
Im Gegensatz zu den windigen Campingplätzen liegt die Altstadt einigermaßen windgeschützt, so daß man selbst im November abends gerne noch draußen sitzt, als wäre es Hochsommer. Die Altstadtgassen dieses hübschen und lebhaften Städtchens füllen sich dann nicht nur mit Surfern.
In Tarifa beschränkt man sich bei Straßenschildern nicht nur auf den Text, meist ist noch ein kleines Bild dabei.
Auch vor Pubs oder Shops findet man oft handgemalte Tafeln.
Langsam neigte sich der Urlaub dem Ende zu. Zu guter Letzt standen noch die Alpujarras, der südliche Ausläufer der Sierra Nevada auf dem Programm. Am 12.11. kam ich in Ferreirola bei Sierra y Mar an, wo Sepp und Inger ein recht schönes Gästehaus in einer faszinierenden Landschaft betreiben.
Die Straßen der Alpujarras werden nicht nur von Autos benutzt.
Blick über die Dächer von Ferreirola nach dem großen Regen.

Vom Timing her lief alles wie geschmiert. Dreieinhalb Wochen bestes Wetter (bis auf das Gewitter in Lissabon), und kaum war ich im Gästehaus von Sierra y Mar untergebracht, gab es zwei Tage nonstop die schwersten Regenschauer mit fast 100 Litern Wasser pro Quadratmeter. Das riesige Tiefdruckgebiet reichte bis weit nach Marokko.
Hier eines der Gästehäuser von Sierra y Mar
Nach diesem Unwetter war die Luft besonders klar und die Fernsicht ausgezeichnet.
Sol y Sombre: Der Blick auf die 3000er war noch eine ganze Weile verdeckt.
Durch die Wolken verdeckt: Das in den 80er Jahren errichtete tibetische Meditationszentrum
O Sel Ling.
Die Stupa ist ein herrlicher Platz, um mal eine Pause einzulegen. So bewölkt ist es nur selten, und die Aussicht ist grandios.
In der Fotogalerie von Sierra y Mar findet Ihr weitere schöne Fotos von der Südseite der Sierra Nevada.
Ob fleischhaltig oder vegetarisch: In den Alpujarras ist für jeden was dabei, nicht nur der weltbekannte luftgetrocknete Serano-Schinken sein. Mir schmeckten vor allem die verschiedenen Sorten von Schafs- und Ziegenkäse in der Bodega von Capileira, aber auch die zuckersüßen Cocktailtomaten.
Kein Geldwechsel mehr an der spanisch-französischen Grenze. Irgend einen kleinen Vorteil muß der Euro schließlich auch haben.
Schade, das war's! Ein letzter Blick noch auf die Pyrenäen, bevor es zurückgeht in ungemütliche Klimazonen.
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