Reisebericht Portugal 2002   Kontakt / Impressum
Lissabon
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So sieht es aus, wenn man mit Fliegendreck auf der Windschutzscheibe Lissabon von Süden her anfährt.
Die Ponte 25 de Abril ist über 2 km lang und erinnert an die Golden Gate Bridge von San Francisco. Sie wurde 1966 erbaut und bekam Ihren heutigen Namen erst später zu Ehren der Nelkenrevolution, die am 25.4.1974 stattfand und die längste Diktatur der Welt ohne Blutvergießen beendete. Die Soldaten hatten damals Nelken in Ihre Gewehrläufe gesteckt. Ein Paradebeispiel dafür, daß man nicht immer skrupellose Politiker, Diktatoren und Vorgesetzte über Tod oder Leben entscheiden lassen sollte.
Der Campingplatz "Parque Municipal de Campismo de Montsanto" liegt relativ zentral und doch im Grünen. Von Süden kommend nach der "Ponte 25 de Abril" erste Autobahnabzweigung in Richtung Cascais/Estoril, dann die zweite (oder dritte?) Ausfahrt nach Montsanto. Der Weg zum Campingplatz ist ausgeschildert. Sehr gute Busverbindung in die City (Rossio/Linie 14) und zum Oceanário (Linie 50). Auf dem Campingplatz sehr hilfsbereites, freundliches Personal. Einen Stadtplan mit Bus-Verbindungen gab es gratis.
Busfahren ist spottbillig und hoch interessant, und das Auto steht geschützt auf dem Campingplatz. Die schlechten Straßen, die rabiate Fahrweise und die schlechten Federungen lassen allerdings auch gesunde Menschen darüber nachdenken, was Bandscheiben so alles aushalten müssen.
Das Einfahren in verstopfte Kreuzungen war die Spezialität des Busfahrers. Die Perfektion, mit der er an Kreuzungen regelmäßig den Verkehr zum Stillstand brachte, war beeindruckend. Sein Kollege auf der Rückfahrt beherrschte eine andere Spezialität. An jeder Haltestelle hielt er mit Vollbremsung und blockierenden Reifen an. Auch beim Anfahren ließ er unter Vollgas den Motor aufheulen. Wer da noch auf dem Trittbrett stand, wusste nicht mehr, ob er nun aus- oder einsteigen wollte.
Die Innenstadt von Lissabon ist auch heute noch frei von Hektik, wie man sie aus anderen europäischen Großstädten kennt.
Natürlich wird man hier überall angesprochen, ob man ein bisschen Hasch kaufen will, selbst wenn 20m weiter ein Polizist herumlungert. Andere Länder, andere Sitten.... Am besten tut man so, als hätte man nichts gehört.

Nur bei Taschendieben, die einem gestohlene Kameras oder Uhren verkaufen wollen, sollte sofort eine härtere Gangart einschlagen. Ich machte den Fehler, ihm höflich zu antworten, daß ich nichts kaufen wolle. Leider war er so unterbelichtet, daß er über eine Stunde brauchte, bis er es begriff. Man kann so etwas zwar unter der Rubrik Unterhaltung verbuchen, aber in erster Linie bedeutete diese Stunde für mich höchste Wachsamkeit, damit er seinen Warenbestand nicht auf meine Kosten erhöhte.
Überhall bot man Esskastanien an, die auf fahrbaren Böller-Öfen gebrutzelt wurden. Auf den Fotos nicht erkennbar: Das gesamte Zentrum war eingehült in eine Qualmwolke, die angenehm nach Kastanien duftete.
Der Stadtkern von Lissabon läßt sich noch immer am treffendsten als sympathisch-schmuddelig beschreiben.
Auch heute noch kann man sich überall in Lissabon die Schuhe putzen lassen.
Brösel-Werner mag vielleicht Würstchen-Blinker haben, aber keinen Einbauofen im Moped.
Ein entfernter portugiesischer Verwandter des Citroen Berlingos.
Der Wagen wurde als Verkaufsstand für Fado-Musik-CDs genutzt. Fado ist ein traurig-sehnsüchtiger Gesang, ich würde sagen, es ist der Blues der Portugiesen.

Wer nach Lissabon kommt, sollte sich einen Besuch in einer Fado-Bar in den Altstadtvierteln Bairro Alto oder Alfama nicht entgehen lassen. Die Sänger sind oftmals (gute) Amateure aus dem Publikum, das hier gemeinsam seinen "Weltschmerz" feiert. Die letzte Strophe erkennt man daran, daß plötzlich alle in den melanchonischen Gesang einstimmen oder mitsummen. Am besten passt dazu ein leichter Vinho Verde und ein paar Pistazien. Das Knistern der Pistazienschalen passt gut zum Gesang und ist das einzige Zuschauer-Geräusch, was während der Vorführung geduldet wird.
Nicht nur draußen sitzt man gut. Viele Cafés sind hier im Wiener Stil eingerichtet, und die Leckereien können sich sowieso sehen lassen. Besonders die mit Marmelade oder Schokolade gefüllten Croissants.
Plötzlich gab es ein extrem heftiges Gewitter mitten über Lissabon, und nach 2 Stunden standen die Straßen am Rossio unter Wasser. Sogar das Café Suiza stand kurz unter Wasser. Eine Stunde später war der Spuk vorbei und das Wasser bereits im Tejo.
Das Castelo de São Jorge ist einen Spaziergang wert,
allerdings nur tagsüber - wegen der Sicherheit und der Aussicht.
Vergangenheit und Gegenwart - Tradition und High Tech ...

... die Straßenbahnen als Metapher für die Gegensätze in Lissabon.
Wann gab's so etwas bei uns noch? Vor 40 jahren?
Hier jedenfalls ohne Museumszuschlag.
In einer ähnlichen Pension waren wir mal Anfang der neunziger Jahre. Als Langschläfer wurden wir morgens um kurz nach 9 von einem lautem Gepolter geweckt. Die komplette Decke über dem Frühstücksraum war eingestürzt.

Gut, wenn man im Berlingo ein sauberes Bett und ein sicheres Dach über dem Kopf hat.
Das futuristische Lissabon findet man am Atlantikpark.
Hier das Kaufhaus Vasco da Gama, mal wieder mit einem skurilen Kunstwerk.
Auch wenn es von außen häßlich aussieht, man sollte sich das Oceanário auf keinen Fall entgehen lassen.
Im Oceanário wird dem Besucher die gesamte Tierwelt der Ozeane vorgestellt.
Gegebenfalls wird auch die Temperatur massiv abgesenkt, wie bei den Pinguinen.
Ruhe ist die erste Bürgerpflicht, zumindest für den Seeotter.
Mindestens 5 verschiedene Haifische gibt es in dem riesigen Wasserbecken, das unzähligen Schaufenstern besitzt, rundherum auf zwei Stockwerke verteilt. Blitzlich ist hier strengstens verboten, d.h. man braucht ein lichtstarkes Objektiv zum fotografieren.
So sehen Sepias ohne Knofi-Sauce, Pommes und Salat aus.
Rochen sind eigentlich ganz verspielte, zutrauliche Tiere. Es sei denn man tritt versehentlich auf einen drauf, der so im Sand liegt. Am Schwanz befindet sich ein mehrere Zentimeter langer Gift-Stachel, mit dem er sich dann reflexartig zur Wehr setzt. Haut er einem diesen Stachel in den Bauch, besteht Lebensgefahr. Als Vorbeugung hatte ich mal gelesen: "Seitlich schlürfend ins Wasser gehen". Am besten schon mal daheim im Schwimmbad üben.
Dieser Seedrachen ist perfekt getarnt. Durch die Farbumsetzung der Kamera ist er auf dem Foto jedoch besser zu erkennen als in Natura.
Unter www.oceanario.pt gibt es ausführlichere Informationen zum Oceanário, allerdings in Englisch.
Am Eingang zum Atlantikpark befindet sich mit dem "Vasco da Gama" das wohl größte, feinste, sauberste und modernste Kaufhaus Portugals.
Trotz der edlen Anmutung kostete ein Espresso im Cafe di Roma nicht mehr als 55 Cent.

Die Abteilung Fastfood und Restaurants übertrifft mit ihrem Angebot aus aller Welt sogar amerikanische Malls.
Dieses Wohnmobil überforderte sogar die Portugiesen, die eigentlich den Anblick von skurilen Kunstwerken gewöhnt sind.
Vielleicht nicht ganz original und nicht ganz TÜV-konform, eher als Dienstwagen für Mel Gibson in Mad Max Teil 4 geeignet.
In die Waschanlage sollte man mit diesem Fahrzeug nur, wenn man aus der Waschanlage ebenfalls ein Kunstwerk schaffen will.
Bei solch einem Kunstwerk verwandle sogar ich mich vom Kunstkritiker in einen Kunstliebhaber.
Genauso wie der Atlantikpark wurde auch die Ponte Vasco da Gama für die Expo 1998 erbaut. Sie überquert den Tejo etwas weiter östlich als die Ponte 25 de Abril und ist über 12 km lang.
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